Prozessor aufrüsten

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Benötigtes Werkzeug:

  • Schraubenzieher
  • evtl. neuer Kühler
  • Wärmeleitpaste
  • Niveau:
    Anspruchsvoll



     1. Vorbereitung

    Der Einbau eines neuen Prozessors ist schon etwas anspruchsvoller. Mit ein bisschen Übung schaffen Sie es aber trotzdem in ein paar Minuten.

    Bevor Sie beginnen, sind ein paar Daten wichtig, die Sie notieren sollten. Sie sollten folgende Werte ihres Prozessors kennen: Den externen Takt, den internen Takt, das Taktverhältnis und gegebenfalls die notwendige Betriebsspannung. Im Bereich Kaufberatung finden Sie umfangreiche Tabellen mit allen wichtigen Prozessordaten.

    Außerdem ist es ratsam, das Handbuch zur Hauptplatine parat zu haben, um die Jumper kontrollieren zu können. Ist kein Handbuch zur Hand, versuchen Sie es auf der Homepage Ihres Hauptplatinen-Herstellers oder suchen Sie nach kleinen, weißen Tabellen auf der Hauptplatine; auf besseren Modellen sind die wichtigsten Jumper-Stellungen aufgedruckt.

    Manchmal stimmen die Positionen der Jumper-Felder nicht exakt mit den Abbildungen im Handbuch überein. Dann besitzt man eine neuere Revision der Hauptplatine und muss wiederum auf der Homepage des Herstellers suchen (Sie verstehen jetzt vielleicht die Bedeutung des Supports, gerade bei Hauptplatinen).

    Idealerweise finden Sie im Handbuch Angaben zu Ihrer neuen CPU. Wenn nicht, dann erkundigen Sie sich auf der Internet-Seite des Hauptplatinen-Herstellers, ob der neue Prozessor unterstützt wird. Gibt es auch dort keine Informationen - lassen Sie's. Die Gefahr einer Überhitzung (z.B. durch zu stark beanspruchte Spannungsregler) ist zu groß.

    [Handbuch]


    Beachten Sie bitte außerdem:

    [Achtung!] Stellen Sie sicher, dass das BIOS Ihrer Hauptplatine den Prozessor kennt. Führen Sie gegebenenfalls VORHER ein BIOS-Update durch




    Achtung! Alle Arbeiten am PC geschehen auf eigene Gefahr!
    PC-Tips kann keine Haftung für eventuelle Schäden an Ihrem PC übernehmen!

     2. Alten Prozessor ausbauen

    [CPU finden] Öffnen Sie bitte wie üblich Ihren PC.
    Lokalisieren Sie den Prozessor.
    (Wir fahren mit der Anleitung zum Tausch einer Sockel-CPU fort; weiter unten lesen Sie, wie Sie bei einer Slot-CPU verfahren müssen.)

    Der Prozessor befindet sich auf Sockel-Platinen immer rechts unten, er ist mit einem Prozessorkühler bedeckt.

    Verfolgen Sie das kleine Stromkabel, das vom Lüfter wegführt. Meist ist es mit der Hauptplatine verbunden. Ziehen Sie es ab.

    Jetzt müssen Sie den Prozessorkühler entfernen. Er ist meist mit zwei Klammern am Sockel befestigt. Eine davon besitzt einen Klemm-Mechanismus; lösen Sie diese zuerst, anschließend können Sie die zweite Klammer vom Haken am Prozessorsockel nehmen.

    Der Prozessor liegt nun frei vor Ihnen. Unmittelbar am Sockel finden Sie einen länglichen Plastik- oder Metallhebel.
    [Ausbauen] Der Mechanismus ist einfach: Ziehen Sie den Hebel leicht vom Sockel weg, bis er sich aus der Arretierung löst, und führen sie ihn anschließend nach oben, bis er senkrecht von der Hauptplatine weg zeigt.

    Jetzt lässt sich der Prozessor entnehmen. Lösen Sie ihn aus dem Sockel.



     Sockel-Prozessor einsetzen

    Nehmen Sie den neuen Prozessor zur Hand. Die Oberfläche des Prozessors (also dort wo der Kühler später sitzt) kann vorher mit Wärmeleitpaste dünn bestrichen werden.
    Das sorgt für bessere Kühlung und zusätzliche Sicherheit. Wäremleitpaste ist im Fachhandel erhältlich und sollte immer verwendet werden. Gerade neue Prozessoren werden auf dem Prozessorkern bis zu 95 Grad warm; besonders gefährlich sind so genannte »Hot spots« (heiße Punkte), die sich an bestimmten Stellen bilden können. Die Wärmeleitpaste sorgt auch für eine bessere Verteilung der Hitze und wirkt damit den Hot spots entgegen.

    Drehen Sie den Prozessor um und sehen Sie sich die Unterseite genau an. Auf zwei Seiten ist er leicht abgeschrägt.

    Wenn Sie den Sockel genau betrachten, finden Sie dort ebenfalls eine oder zwei abgeschrägte Ecke(n), manchmal sogar eine Markierung, auf der »Pin 1« steht.

    Bei Pentium-4-Prozessoren sind die Steckreihen auf der Unterseite unterschiedlich breit, diese CPUs passen nur in einer Richtung auf den Sockel. Ältere Pentium-Prozessoren sind nur auf einer Seite abgeschrägt und mit einem Punkt markiert, hier ist Pin 1.

    Richten Sie die neue CPU so aus, dass die schrägen Ecken übereinstimmen; setzen Sie dann V O R S I C H T I G die neue CPU ein.

    [Achtung!] Drücken Sie einen Prozessor nie fest in den Sockel; der geringste Druck kann die dünnen Beinchen verbiegen!


    In dem Moment, in dem Sie versuchen die Beinchen zurückzubiegen, brechen sie dann sehr leicht ab! Also, die CPU nur leicht auf den Sockel legen, sie muss ohne Druck in die dafür vorgesehenen Löcher gleiten.

    Nun senken Sie den Hebel am Prozessorsockel wieder ab, bis er am Sockel einrastet; die CPU wird dadurch fest im Sockel verankert. Wieder gilt: Keine Gewalt, wenn Sie einen Widerstand spüren, dann entnehmen Sie den Prozessor noch einmal und kontrollieren, ob kein Beinchen verbogen ist.

    Jetzt montieren Sie den Prozessor-Kühler. Es sind meist einfache Konstruktionen, die mit Klammern am Prozessor bzw. Sockel fixiert werden. Einige muss man festdrehen. Achten Sie darauf, den Kühlblock nicht schräg aufzusetzen, sondern in der Waagerechten zu halten. Drücken Sie die Klammern nicht zu stark herunter. Der kleine, runde »Kopf« (Core) des Prozessors kann sonst Schaden nehmen.

    Schließen Sie das kleine Lüfter-Stromkabel an der Hauptplatine an; es lässt sich nicht falsch herum aufsetzen. Ziehen Sie leicht am Kühlblock und überprüfen Sie auf diese Weise, ob der Prozessor auch wirklich fest im Sockel steckt.



     Jumper setzen

    [Beispiel-Handbuch]

    Spätestens jetzt brauchen Sie das Handbuch zur Hauptplatine oder zumindest eine Beschreibung der Jumper. Dort finden Sie wie im Ausriss rechts genaue Angaben, wie die Jumper zu setzen sind.

    Zwar müssen moderne Hauptplatinen (Pentium III, Athlon) nicht mehr unbedingt von Hand konfiguriert werden, doch sollten Sie die Einstellungen grundsätzlich immer kontrollieren. Sonst kann es passieren, dass der Prozessor »durchbrennt«.

    »On« bedeutet, dass ein Jumper gesetzt wird, bei »Off« bleibt der Kontakt offen. Bei unserer Beispiel-Platine stellen wir die Spannung über so genannte DIP-Schalter (DIP-Switches) ein. Die Konfiguration funktioniert genauso wie mit Jumpern, nur werden hier kleine Schalter nach oben oder unten geschoben.

    Stellen Sie den externen Takt (auch FSB-Takt), das Taktverhältnis (Multiplikator) und die Spannung genau wie vorgegeben ein (Sehen Sie eventuell im Kaufberater, Abschnitt Prozessoren nach).

      Einige moderne Hauptplatinen erlauben die Einstellung der Werte über das BIOS. Sehen Sie im Handbuch nach, welche Optionen wie einzustellen sind.

      Einige alte Platinen (Pentium) besitzen zusätzlich noch einen Jumper zum Bereitstellen von zwei unterschiedlichen Spannungen (»dual Voltage«; wird von allen MMX-Prozessoren benötigt), der ebenfalls gesetzt werden muss. Eine Angabe wie »P54C« steht für Pentium-, »P55C« für Pentium MMX-Prozessoren.

    Wenn Sie alle Jumper gesetzt haben, ist es Zeit für einen ersten Funktionstest.



     Slot-Prozessor einbauen

    [Slot 1-Prozessor]

    Der Aus- und Einbau einer Slot-CPU ist noch ein wenig einfacher als bei Sockel-basierten Hauptlatinen.
    Slot-Prozessoren werden einfach wie eine Steckkarte aus- und eingesteckt.
    Lösen Sie zunächst das Kabel, das den Lüfter mit Strom versorgt.

    Pentium II- und Pentium III-Modelle rasten an der Halterkonstruktion (»retention module«) ein, lösen Sie also die Verriegelung links und rechts am Prozessor.
    Celeron-Prozessoren sind normalerweise nicht gesichert, nur manchmal gibt es eine Plastikabdeckung, die vorher entfernt werden muss. Nun ziehen Sie die CPU sanft aus ihrem Steckplatz.



     Neuen Prozessor einbauen

    Ich empfehle, Kühler und Prozessor bei Slot-Prozessoren immer als eine Einheit zu kaufen und als solche zu belassen; gerade bei Slot-CPUs kann ein Umbau des Lüfters in endlose Fummelei ausarten.

    Beim Aufrüsten auf einen Pentium III sind die älteren Kühler wegen einer Erhebung auf dem neuen Prozessor fast nie weiter verwendbar. Kaufen Sie also Pentium III-CPUs immer »boxed«.

    [Slot 1-Prozessor einbauen] Einige intelligent konstruierte Celeron-Kühler bilden das Gehäuse eines normalen Pentium II/III nach und sorgen somit für festen und sicheren Halt.

    Nun wird der Prozessor wie eine Steckkarte einfach in den Slot geschoben. Er passt nur in einer Richtung, werfen Sie vorher einen Blick auf die Unterseite. Es gibt eine lange und eine kurze Kontaktleiste. Diese müssen mit den entsprechenden Aussparungen im Slot auf der Hauptplatine übereinstimmen.
    Achten Sie darauf, keine der umliegenden Bauteile auf der Platine beim Einbau zu beschädigen. Die CPU soll fest im Slot stecken und gegebenenfalls an den Haltern einrasten.

    [DIP]Versorgen Sie den Lüfter mit Strom, indem Sie das Stromkabel wieder anschließen.

    Konfigurieren Sie den externen Takt, die Spannung und das Taktverhältnis gemäß Hauptplatinen-Handbuch wie bei den Sockel-Prozessoren. Das geschieht entweder über Jumper oder einen »DIP-Schalter« wie abgebildet.



    Funktionstest  

    Schließen Sie alle Kabel am PC an und schalten Sie ein. Auf dem Startbildschirm sollte der neue Prozessor korrekt angezeigt werden.

    Prüfen Sie unbedingt die Funktion des Lüfters: Dreht sich der kleine Ventilator? Wenn nicht, schalten Sie sofort den PC aus!. Moderne Prozessoren »verbrennen« ohne aktive Kühlung in wenigen Sekunden!.
    Kontrollieren Sie nocheinmal das Stromkabel von Lüfter zu Hauptplatine. Einige moderne Mainboards verweigern die Arbeit, wenn ein Lüfter angeschlossen ist, der keine Informationen über die Lüfterdrehzahl sendet (»Tachosignal«). Probieren Sie gegebenenfalls einen anderen Lüfteranschluss auf der Hauptplatine.

    Überprüfen Sie schließlich den schwarzen Startbildschirm, ob der neue Prozessor korrekt identifiziert wird. Wenn ja, schließen Sie den PC. Sie haben es geschafft.

    Wenn die Taktfrequenz zu niedrig oder zu hoch ist, dann haben Sie die Hauptplatine falsch konfiguriert. Prüfen Sie nocheinmal alle Jumper, DIP-Schalter und das BIOS.

    Moderne Hauptplatinen (Pentium II/III, Athlon) arbeiten gelegentlich ohne Jumper (»jumperless«). Im BIOS finden Sie dafür einen Menüpunkt Frequency/Voltage Regulation. Dort können Sie mit dem Punkt CPU Host, CPU Clk oder Host Clk den benötigten Takt, mit Clock ratio den Multiplikator und mit Voltage die Spannung einstellen.

    Ich empfehle die Einstellung AUTO, die den Prozessor automatisch konfiguriert.

    Brandneue Hauptplatinen erwarten vom Prozessorlüfter ein so genanntes Tachosignal. Mit diesem Signal ist es der Hauptplatine möglich, die Lüfterdrehzahl zu kontrollieren und den Rechner bei einem Ausfall des Lüfters sofort abzuschalten. Einige ältere Lüfter senden jedoch kein Tachosignal. Die Folge: Die Hauptplatine glaubt, dass kein funktionsfähiger Lüfter angeschlossen ist und schaltet den Rechner sofort ab. Schließen Sie in diesem Fall das Lüfterstromkabel an einem anderen Steckplatz auf der Hauptplatine an, die meisten besitzen mindestens drei Lüfteranschlüsse.

    Wenn der Rechner läuft, sollten Sie die Prozessortemperatur noch eine Weile im Auge behalten. Fast jeder Platine liegt ein entsprechendes Programm bei (Mainboard Monitor, PC Health, VIA Hardware Monitor). Die Software wird einfach unter Windows installiert. Sie zeigt die aktuelle Prozessortemperatur relativ verlässlich an. Wenn die Temperatur konstant über 60 Grad liegt, sollten Sie für zusätzliche Kühlung sorgen, zum Beispiel mit einem besseren Prozessorkühler oder einem zweiten Gehäuselüfter. Ein schlecht gekühlter PC kann zu häufigen Systemabstürzen führen, der Mauszeiger friert ein.





    21.06.2001 *  © 1998-2001 Christian Gögelein * Homepage: http://www.pc-tipps.de * Kontakt: webmaster@pc-tipps.de

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